Die Konzerte fanden am 26., 27. und 28. Juni 2026 in der Dampfzentrale Bern statt.

Variaton mit Mirjam Berger und Sabine Burchard

  • Claude Debussy – Six Épigraphes Antiques
  • John Luther Adams – «Sky with four suns» und «Sky with endless stars» aus Canticles of the sky
  • Olivier Messiaen – Un Sourire
  • John Adams – The Chairman Dances
  • Maurice Ravel – La Valse
Projekt #22

Fallende Horizonte

Musikalisch pendelt das Projekt #22 zwischen Frankreich des 20. Jahrhunderts und den USA der Neuzeit. Im Wechselspiel zwischen diesen beiden Klangwelten entwickelt sich eine einzigartige Dramaturgie, die schliesslich in Ravels «La Valse» mündet. In der ersten Programmhälfte werden Kompositionen von John Luther Adams und Debussy durch das Beleuchtungskonzept von Lichtdesignerin Mirjam Berger in Szene gesetzt. Durch ihre Lichtregie kommt das sinfonisch besetzte Konzert optimal zur Geltung. Nach der Pause entführt die Projektionskünstlerin Sabine Burchard mit einer auf die Musik abgestimmten Lichtshow das Publikum in eine Welt voller Farben und Figuren.

Die beiden Konzerthälften des Projektes #22 bilden einen dramaturgischen Bogen, obwohl sie stark kontrastieren. Die Werke des ersten Teils sollen ganz andere Emotionen wecken als jene des zweiten und so handelt es sich um gänzlich verschiedene musikalische Kompositionen vor und nach der Pause. Die erste, mystische Hälfte besteht aus den beiden Ecksätzen von John Luther Adams zeitgenössischer 4-sätzigen Komposition «Canticles of the Sky», welche Claude Debussys «Six Épigraphes Antiques» umrahmen. John Luther Adams beschreibt den ersten Satz «Sky With Four Suns», welcher das Konzert eröffnet mit folgenden Worten:

«Am arktischen Himmel erzeugen der flache Sonnenwinkel und die schweren Eiskristalle in der Luft oft lebhafte Halos, Bögen und Nebensonnen (Parhelia). Manchmal erwecken diese Phänomene den Eindruck, es gäbe mehrere Sonnen. «Sky With Four Suns» ist eine musikalische Beschwörung einer solchen Erscheinung, vom Sonnenaufgang bis zum Sonnenuntergang.»

Die darauf folgenden «Six Épigraphes Antiques» von Claude Debussy waren im Jahr 1901 Teil der Begleitmusik für zwei Flöten, zwei Harfen und Celesta, die er für das Bühnenwerk «Les Chansons de Bilitis» komponiert hatte. Diese bestand aus zwölf «Tableaux vivants», kombiniert mit der Rezitation lesbischer erotischer Gedichte der griechischen Antike aus dem gleichnamigen Band von Debussys engem Freund Pierre Louÿs, der 1894 veröffentlicht wurde. Debussy nahm sechs Sätze aus seiner Bühnenmusik von 1901 und schuf daraus eine Suite auch sechs kleinen Meisterwerken, die er 1914 für Klavier zu vier und zwei Händen transkribierte. Debussy arrangierte das Werk auch für Soloklavier und schrieb an seinen Verleger Durand, dass er auch eine Orchesterfassung derselben Stücke anfertigen wolle, doch er verstarb 1918 bevor er damit beginnen konnte. Die Suite wurde 1939 von Ernest Ansermet orchestriert, wobei eine stimmungsvolle Orchestrierung des Werks entstand, die er später mit seinem Orchestre de la Suisse Romande aufnahm. Am Ende des ersten Teils erklingt «Sky With Endless Stars», der letzte Satz der «Canticles of the Sky» von John Luther Adams. Dieser Satz erinnert laut Komponist an die aussergewöhnliche Tiefe und Klarheit des Himmels über der Sonora-Wüste.

Die zweite Hälfte beginnt mit Messiaens «Un Sourire», gefolgt von John Adams «The Chairman Dances» und endet mit Ravels «La Valse». «Un Sourire» war Messiaens letztes Auftragswerk und sein Beitrag zu den Feierlichkeiten zum 200. Geburtstag Mozarts im Jahr 1991. Messiaen erklärte, wie das Werk Mozart ehrte: «Trotz Trauerfällen, Leiden, Hunger, Kälte, Unverständnis und der Nähe des Todes lächelte Mozart immer noch, ebenso wie seine Musik. Deshalb habe ich mir in aller Bescheidenheit erlaubt, meine Hommage ‚Ein Lächeln‘ zu nennen». Bei den darauffolgenden «The Chairman Dances» von John Adams handelt es sich um ein Stück aus dem dritten Akt der Oper «Nixon in China», an der er damals arbeitete. Das Wort ‚dances‘ im Titel ist laut Komponist als Verb gedacht und nicht etwa als Substantiv, so tritt dieser ‚Vorsitzende‘ aktiv in die Handlung ein.

Enden wird der Konzertabend mit Ravels Tondichtung «La Valse». Es handelt sich bei dem Werk zwar um einen Walzer, ist aber weit entfernt von einem leicht beschwingten Tanz, da es der Komponist bereits unter dem Eindruck des Ersten Weltkrieges schrieb. Ravel nannte die Auftragskomposition ein «Poème choreographique» und hatte das Ballett dabei wohl fest im Blick. Der Auftraggeber Diaghilew lehnte das Stück jedoch sofort ab: Er fand, es sei keine wirkliche Ballettmusik, sondern mehr das ‚Porträt eines Balletts‘. «La Valse» wurde schliesslich im Dezember 1920 als reines Orchesterstück uraufgeführt. Ravel griff dabei auf Material zurück, das er seit 1906 gesammelt hatte und vermengte dabei das typisch Wienerische mit impressionistischen Rhythmen und Harmonien und einer meisterhaften Orchestrierung. Zusammen entstand ein äusserst destruktiver Walzer, der das Projektprogramm #22 beendet und gerne zu Denkanregungen nach dem Konzert führen darf.

Droujelub Yanakiew

Als Dirigent und Geiger hat sich Droujelub Yanakiew insbesondere mit seinen innovativen und kreativen Projekten einen Namen gemacht. Droujelub Yanakiews Programme zeichnen sich dadurch aus, dass sie die klassische Musik mit verschiedensten Kunstsparten und Musikrichtungen vereinen. Bisherige Kooperationen brachten ihn mit Künstlern wie DJ Ramax, Steff la Cheffe, der Jazzsängerin Sandy Patton, Büne Huber (Patent Ochsner), der weltberühmten Fado-Sängerin Carminho, den Kummerbuben, dem bulgarischen Kavalspieler Theodosii Spassov, dem experimentellen Trio Koch, Schütz, Studer aber auch der Tänzerin und Choreographin Nina Stadler, dem Film-Regisseur Matthias Günter, dem Berner Cartoonisten Adrian Zahn und dem Pantomimen Carlos Martinez aus Barcelona zusammen. Viele seiner Programme wie „Punk in the Cathedral“, „My Age Symphony“, „Itz mau Apokalypse“ oder die Zusammenarbeit mit Steff la Cheffe und dem Bieler Sinfonieorchester erhielten sehr positive Presseresonanz 

In den letzten Jahren hat Droujelub Yanakiew sowohl in der Schweiz als auch international mit verschiedenen Orchestern als Gastdirigent gearbeitet – dies sind u.a. das Berner Symphonieorchester, die Sofia Philharmonic, die Südwestdeutsche Philharmonie, das Sinfonie Orchester Biel Solothurn, das Berner Kammerorchester, das Ensemble Contrechamps Genève, die Festival Strings Lucerne, die Basel Sinfonietta, die Camerata Zürich, das San Juan Sinfonie Orchester (Argentinien), das Karlsbader Symphonieorchester und das Kammerorchester Klaipeda (Litauen).  

Droujelub Yanakiew ist seit 2007 Dirigent des Variaton Projektorchesters Bern, des Orchesters Santa Maria Luzern und des Jugend Sinfonie Orchesters Konservatorium Bern. 

Seine Entwicklung als Dirigent wurde gefördert und beeinflusst durch die Zusammenarbeit mit namhaften Dirigenten wie Bernard Haitink, Ralf Weikert, Jesùs Lòpez Cobos, Peter Eötvös, Stefan Asbury und seinen Dirigierlehrer Johannes Schlaefli. 

Droujelub lebt mit seiner Frau und drei Kindern in Bern.  

Sabine Burchard – Projektion

Nach ihrem Studium an der Hochschule Luzern Design & Kunst konzentriert sich Sabine Burchard auf Animation und Videodesign für Live-Events und Installationen. Mit Projektionen verwandelt sie Gebäudefassaden, Theater- und Konzertbühnen, Räume und Orte in der Natur. Sie zeigte Installationen auf Festivals wie dem Festival of Lights in Berlin, dem Licht Festival Luzern, dem Licht Festival Murten und dem Festival of Animation in Berlin. Projekte mit Performenden liegen ihr besonders am Herzen, wie die Projektionen für die Jubiläumskonzerte mit der Stadtmusik Saltina in Brig und die Stadtmusik St. Gallen in der Tonhalle St. Gallen, für das Schauspiel «ausgesprochen ich» im UG des Luzerner Theaters oder «Nowhere Girl» am Vorstadttheater Basel.

Mirjam Berger – Lichtdesign

Mirjam Berger, *1990, BA in Theaterwissenschaft, BWL und Nachhaltiger Entwicklung der Uni Bern. Sie ist freischaffende Lichtdesignerin und Performerin, Kollektivmitglied bei ultra und technische Co-Leiterin beim Theaterfestival auawirleben in Bern. Ausserdem Mitbegründerin und aktives Mitglied des Netzwerks art+care (gefördert von m2act), das sich dafür einsetzt, dass Care und Kunst in ein Leben passen. Als Lichtdesignerin arbeitet sie u.a. mit Joshua Monten und Milva Stark. 2024 schrieb sie gemeinsam mit Andreas Berger ihr erstes Stück «Sehe Dich», bei dem sie mit Silvia Jost und Christine Hasler auf der Bühne stand (Premiere: April 24, Tojo Theater Bern, weitere Gastspiele in Biel, Solothurn und Mühleberg). Momentan arbeitet sie mit ultra am nächsten Stück «The Art of Decay» und macht die Technische Leitung für die Swiss Dance Days (Feb 2026 in Bern). 

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